"Unsere Ideen kommen fast immer aus der Wirklichkeit."
Wolfgang Hohlbein ist der erfolgreichste deutsche Fantasy-Schriftsteller. Im Team mit seiner Frau Heike hat er mehr als 200 Bücher verfasst. Rezensionen im Feuilleton: so gut wie keine. Ein Hausbesuch.
Vom alten Schlag
Timo Boll ist der erfolgreichste deutsche Tischtennisspieler. In China ist er ein Superstar. Bei Olympia will er Gold holen. Kann das klappen, mit 40?
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"Unser Zuhause ist Deutschland, trotz allem."
In einem jüdischen Altenheim in Frankfurt wohnen Menschen, die den Holocaust überlebten. Warum haben sie sich entschieden, ausgerechnet im Land der Täter alt zu werden?
»Wir haben gewusst, dass es ein Risiko gibt, und er hat es auch gewusst«
David Lama war das Wunderkind des Klettersports. Vor einem Jahr kam er bei einem Lawinenabgang ums Leben. Wir haben seine Eltern, Freunde und Kollegen nach ihm befragt. Ihre Erinnerungen zeichnen das Bild eines Menschen, der alles auf einmal war: radikal und gelassen, besessen und liebevoll.
Familiensache
Tim* braucht die Messer. In seinem Zimmer, im Schrank, am Bett. Kurze Messer, lange Messer, scharfe Messer, stumpfe Messer, Messer zum Schnitzen, Messer zum Fischeaufschlitzen.
Sein Vater sagt: "Das hat nach der Sache vor Gericht angefangen, er bewaffnet sich. Als ob er sich schützen müsste."
Seine Mutter sagt: "Wenn sie wieder abgesagt hat, braucht er seine Messer. Ich hab manchmal Angst."
Tim sagt: "Mama, ich pass gut auf. Mit einem Messer kann man Gerechtigkeit schaffen, aber auch Frieden für sich selbst."
Tim ist zwölf. Sein Vater und seine Mutter sind nicht seine leiblichen Eltern. Er wohnt seit elf Jahren bei ihnen. Er nennt sie Mama und Papa. Seine leibliche Mutter hat er zum letzten Mal vor fast zwei Jahren gesehen. Er schreibt ihr manchmal. Manchmal schreibt sie zurück. Die Sache vor Gericht: Da wollte sie ihn wiederhaben.
Tim sagt: "Wenn man in den Wald geht und etwas schnitzt und mit den Händen etwas baut, dann kann man Frieden finden." Er muss mit der Frage fertigwerden: Warum hat meine Mutter mich verlassen? Er muss die Frage jetzt aushalten, er muss sie in der Pubertät aushalten, er muss sie als Erwachsener aushalten, er muss sie aushalten, bis er alt und müde ist.
Es gibt 81.000 Pflegekinder in Deutschland. So viele wie nie zuvor. 81.000 Mal die Frage: Warum? 81.000 Antworten.
Wie leben die Kinder, die sich dieser Frage stellen? Auf der Suche nach Antworten bin ich von September 2019 bis Februar 2020 ein halbes Jahr lang durch Deutschland gereist, ich sprach mit Forschern, Psychologinnen, Ärzten, Juristinnen, Mitarbeitern von Jugendämtern, Aktivisten, leiblichen Eltern, Pflegeeltern – und mit Pflegekindern. Bevor ich all diese Menschen traf, wusste ich fast nichts über Pflegekinder. Ich erinnerte mich an ein paar Kriminalfälle, in denen Kinder nach Misshandlungen im eigenen Elternhaus zu Pflegefamilien gebracht wurden. Fälle, in denen frühere Pflegekinder zu Tätern geworden waren. Ich las, dass jedes zweite Pflegekind eine psychische Störung habe. In der "Normalbevölkerung" sei es nur jeder Zehnte. Pflegekinder seien häufiger gewalttätig, kämen häufiger ins Gefängnis, begingen häufiger Suizid.
Wie geht eine Gesellschaft mit denen um, die ihre Hilfe am dringendsten brauchen? Wo kommt man hin im Leben, wenn der Start schwierig ist?
(...)
Sein Vater sagt: "Das hat nach der Sache vor Gericht angefangen, er bewaffnet sich. Als ob er sich schützen müsste."
Seine Mutter sagt: "Wenn sie wieder abgesagt hat, braucht er seine Messer. Ich hab manchmal Angst."
Tim sagt: "Mama, ich pass gut auf. Mit einem Messer kann man Gerechtigkeit schaffen, aber auch Frieden für sich selbst."
Tim ist zwölf. Sein Vater und seine Mutter sind nicht seine leiblichen Eltern. Er wohnt seit elf Jahren bei ihnen. Er nennt sie Mama und Papa. Seine leibliche Mutter hat er zum letzten Mal vor fast zwei Jahren gesehen. Er schreibt ihr manchmal. Manchmal schreibt sie zurück. Die Sache vor Gericht: Da wollte sie ihn wiederhaben.
Tim sagt: "Wenn man in den Wald geht und etwas schnitzt und mit den Händen etwas baut, dann kann man Frieden finden." Er muss mit der Frage fertigwerden: Warum hat meine Mutter mich verlassen? Er muss die Frage jetzt aushalten, er muss sie in der Pubertät aushalten, er muss sie als Erwachsener aushalten, er muss sie aushalten, bis er alt und müde ist.
Es gibt 81.000 Pflegekinder in Deutschland. So viele wie nie zuvor. 81.000 Mal die Frage: Warum? 81.000 Antworten.
Wie leben die Kinder, die sich dieser Frage stellen? Auf der Suche nach Antworten bin ich von September 2019 bis Februar 2020 ein halbes Jahr lang durch Deutschland gereist, ich sprach mit Forschern, Psychologinnen, Ärzten, Juristinnen, Mitarbeitern von Jugendämtern, Aktivisten, leiblichen Eltern, Pflegeeltern – und mit Pflegekindern. Bevor ich all diese Menschen traf, wusste ich fast nichts über Pflegekinder. Ich erinnerte mich an ein paar Kriminalfälle, in denen Kinder nach Misshandlungen im eigenen Elternhaus zu Pflegefamilien gebracht wurden. Fälle, in denen frühere Pflegekinder zu Tätern geworden waren. Ich las, dass jedes zweite Pflegekind eine psychische Störung habe. In der "Normalbevölkerung" sei es nur jeder Zehnte. Pflegekinder seien häufiger gewalttätig, kämen häufiger ins Gefängnis, begingen häufiger Suizid.
Wie geht eine Gesellschaft mit denen um, die ihre Hilfe am dringendsten brauchen? Wo kommt man hin im Leben, wenn der Start schwierig ist?
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